Kapitel 2 - Die Anfänge der Diaspora
Im Jahr 70 zerstörten Truppen des römischen Feldherrn und späteren Kaisers Titus nach zweijähriger Belagerung Jerusalem, Hauptstadt des jüdischen Staates und religiöses Zentrum des jüdischen Volkes.
In den Jahren 132 bis 135 wagten die Juden Palästinas unter der Führung Bar Kochbas, des "Sternensohnes", zum letzten Mal einen Aufstand. Die Revolte wurde von den Römern blutig niedergeschlagen.
Kaiser Hadrian beabsichtigte, die Reste des jüdischen Staates zu vernichten, und belegte die Ausübung der Religionsvorschriften mit der Todesstrafe. Den Juden wurde das Wohnen in Jerusalem verboten, die Stadt als Aelia Capitolina wieder aufgebaut. Von den 1, 3 Millionen Bewohnern des Landes kam eine halbe Million um´s Leben oder wurde in die Sklaverei verkauft. Doch wurden viele Überlebende später Freigelassene und römische Bürger.
Es dürfte wichtig sein, dass vor Christus bereits Juden in Rom lebten, das wird durch vorchristliche jüdische Katakomben belegt, ein Teil der in Rom lebenden Juden waren schon vorher gekommen, sozusagen als antike "Gastarbeiter", die den Römerstraßen gefolgt waren.
Im Jahr 212 erklärte Kaiser Caracalla die Juden im gesamten römischen Reich zu Vollbürgern. Viele von ihnen traten in das Heer ein, darunter freigelassene Sklaven, andere begleiteten als Handwerker, Handelsleute und Ärzte die Legionen bei ihren Zügen an den Rhein und nach Britannien.
Erst als im Jahr 325 das Christentum Staatsreligion zu werden begann, verschlechterte sich die rechtliche und bald auch die wirtschaftliche Lage der Juden.
Die Juden hatten zwar ihren Staat verloren, nahmen aber mit der Bibel ihren Zusammenhalt als religiöse Gemeinschaft, als landlose geistige Nation in die Diaspora mit, da sie ihre Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimat nie aufgaben.
In den ersten fünf Jahrhunderten n. Chr. war in den Lehrhäusern von Babylonien und Judäa der Talmud entstanden: eine Auslegung der Bibel mit Bestimmungen für alle Lebenslagen, ein Schatz an oft gegensätzlichen Lehrmeinungen, Erzählungen, Legenden und Lebensweisheiten. Bibel und Talmud wurden zum Rüstzeug für das Überleben des jüdischen Volkes; im Verlauf weiterer Jahrhunderte gesellten sich die Kommentare der Gelehrten in den Talmudschulen hinzu.
Mit diesem "tragbaren Staat" religiöser Ideen waren die Lebendigkeit der Thora, ihr Ausbau und Weiterentwicklung gewährleistet, zumal die meisten Juden, im Gegensatz zu ihrer Umwelt, des Lesens und Schreibens kundig waren.
Auch war das Studium der heiligen Schriften unter den Laien weit verbreitet und es gab einen ständigen Austausch von Ideen zwischen den Talmudschulen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen