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Es werden Posts vom Mai, 2021 angezeigt.

Kapitel 4 - Im Frankenreich Karls des Großen: Teil 1

 Aus den wirren Zeiten der Völkerwanderung sind kaum Dokumente erhalten geblieben. Daß es in den ehemals römischen Gebieten des Frankenreichs starke jüdische Gemeinden gab, wissen wir nur aus Rückschlüssen. Als, z.B., Pippin III., der Vater Karls des Großen, im Jahr 759 Narbonne eroberte, den letzten Stützpunkt der Araber im Frankenreich, übergab er die Hälfte der Stadt den Juden zum Dank für ihre Waffenhilfe. Während Karl der Große die Heiden durch Missionstätigkeit, aber auch mit dem Schwert, christianisierte, durften die Juden, als das Volk der Bibel, ihre Religion behalten. Im allgemeinen waren die Juden unter diesem Kaiser den Christen gleichgeachtet. Karl der Große nahm die Juden wie andere Gesellschaftsgruppen unter seine Vormundschaft, wofür sie ihm Gefolgschaft und Treue zusicherten. Leben, Ehre, Religionsausübung, Eigentum und Freiheit des Handels standen unter kaiserlichem Schutz. Von tiefgreifender Konsequenz war auch, dass die Juden ihre Zivilstreitigkeiten nach ihrem ...

Kapitel 3 - Die ersten Gemeinden am Rhein

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 Wie groß die ersten Gemeinden am Rhein im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. waren, wissen wir nicht. Wir wissen aber, daß, z.B., in Köln bereits zu Anfang des 4. Jahrhunderts eine ansehnliche Gemeinde bestand, da sich mit ihr, weit entfernt von seiner Hauptstadt, Kaiser Konstantin in einem Schreiben befaßte, dessen Original noch heute in der Vatikanischen Bibliothek vorhanden ist. Dieses Dokument läßt auf ein Vorhandensein der Kölner Gemeinde lange vor dem Brief des Kaisers schließen. Konstantin war der erste Kaiser des Römischen Reiches, der das Christentum allen anderen Religionen vorzog. Die Juden galten nun als Staatsfeinde . In einem Dekret vom 18. Oktober 321  ordnete der Kaiser an, dass Juden, die einen aus ihrer Religionsgemeinschaft zum Christentum Übergetretenen "mit Steinen oder auf eine andere Art des Unwillens angreifen, sofort den Flammen übergeben und zusammen mit ihren Helfern verbrannt werden sollten. Ferner, wer aus der Bevölkerung ihrer abscheulichen Religion b...

Kapitel 2 - Die Anfänge der Diaspora

 Im Jahr 70 zerstörten Truppen des römischen Feldherrn und späteren Kaisers Titus nach zweijähriger Belagerung Jerusalem, Hauptstadt des jüdischen Staates und religiöses Zentrum des jüdischen Volkes. In den Jahren 132 bis 135 wagten die Juden Palästinas unter der Führung Bar Kochbas, des "Sternensohnes", zum letzten Mal einen Aufstand. Die Revolte wurde von den Römern blutig niedergeschlagen. Kaiser Hadrian beabsichtigte, die Reste des jüdischen Staates zu vernichten, und belegte die Ausübung der Religionsvorschriften mit der Todesstrafe. Den Juden wurde das Wohnen in Jerusalem verboten, die Stadt als Aelia Capitolina wieder aufgebaut. Von den 1, 3 Millionen Bewohnern des Landes kam eine halbe Million um´s Leben oder wurde in die Sklaverei verkauft. Doch wurden viele Überlebende später Freigelassene und römische Bürger.  Es dürfte wichtig sein, dass vor Christus bereits Juden in Rom lebten, das wird durch vorchristliche jüdische Katakomben belegt, ein Teil der in Rom lebenden...

Kapitel 1 - Einleitende Worte

 Da im Jahre 371 in einem Edikt des römischen Kaisers Konstatin Juden in der Stadt Köln erwähnt wurden, gilt dieses Edikt als der älteste Belegt jüdischen Lebens nördlich der Alpen. Aus diesem Grund wurde zu Beginn des Jahres 2021 ein besonders Festjahr ausgerufen: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Grund genug, sich mit dem komplexen, ungemein farbigen Leben unserer jüdischen Mitbürger und ihrer wechselvollen Geschichte in unserem Land zu beschäftigen, zu erforschen und darüber zu berichten. Es darf nicht sein, ihr Leben und Wirken auf die Zeit von 1933 bis 1945 zu beschränken, das würde ihnen nicht gerecht, das würde Wunden auf Dauer offen halten und neue Gräben schaffen. Die jungen jüdischen Deutschen wollen im hier und heute ihr Leben gestalten, sie sprechen selbst davon, "nur kurz weg gewesen zu sein", dass "ihre Koffer ausgepackt seien" und sie, sehr wichtig, "nicht mehr Opfer sein wollten".  Begeben wir uns also auf eine spannende, reichhalt...